Nordrhein-Westfalen
Reiki

Reiki

Wie ich es verstehe

Reiki ist meines Erachtens ein Erfahrungsweg auf der Grundlage der Philosophie asiatischer Weg- und Gesundheitslehren.

Das Ziel des „Do“, der Philosophie des Weges, ist nicht primär das Erlernen einer Fertigkeit, sei es Heilen oder Kämpfen, sondern die Ausprägung einer Fähigkeit. Die Technik, die Fertigkeit, dient lediglich als Mittel zum Zweck, zur Ausprägung der Fähigkeit. Durch die Übung der Technik soll die Fähigkeit auf möglichst allen Ebenen erreicht werden. Letztlich wird nicht die Technik oder Fertigkeit des ausübenden Menschen bewertet, sondern die Entwicklung.

Ein Erfahrungsweg, so auch Reiki, kann nur Schritt für Schritt durchlebt und erfahren werden. Dafür braucht es Zeit, Disziplin, Geduld und Wohlwollen (vor allem gegenüber sich selbst).

Reiki ist wie andere Weglehren auch (nicht nur buddhistische, sondern auch christliche) nicht durch bloßes Absolvieren von Seminaren oder Einstimmungen zu erlernen. Diese schaffen lediglich eine vorbereitende Grundlage, um den Weg zu gehen.

Ki zu kanalisieren und weitergeben zu können, sagt nichts über das Wachstum eines Menschen aus, sondern nur, dass er die Technik beherrscht.

In seinem Buch „Reiki und das Tao - Ein Weg zu Gesundheit, Spiritualität und Lebensfreude“ (Satori-Verlag) werden von Karl-Heinz Doppler die verschiedenen Aspekte von Reiki als Weglehre meiner Meinung nach sehr gut zusammengefasst.

Historie

Der Begriff „Reiki“ wurde in den Anfängen des 20. Jahrhunderts (~ 1910) durch den Japaner Mikao Usui kreiert. Reiki basiert jedoch auf einer wesentlich älteren esoterisch-buddhistischen Lehre. Bereits Jahrhunderte früher findet sich in China die Lehre des „Wei Chi“, einer gesundheitsaspektlichen Energiearbeit mit dem „äußeren Chi“.

Es ist zu vermuten, dass Reiki wesentliche Elemente der sog. „Mikkyo-Geheimlehren“ des jap. Shingon- bzw. Tendai-Buddhismus (chin. Mi-Tsung/Mi-Zong bzw. Tiantai-Zong) beinhaltet, insbesondere die jap. Sonten-Lehre. „Sonten“ bezeichnet eine universelle Lebensenergie und ist die Quelle aller Schöpfung.

Wortbedeutung

Das japanische Wort „Reiki“ stammt aus zwei japanischen Wörtern: REI und KI. „REI“ ist das obere und „KI“, als japanische Übersetzung des chinesischen Qi, das untere Zeichen des japanischen Kanji.

Das Wort bedeutet „Universelle Lebensenergie“ und meint eine spirituelle, universelle bzw. kosmische Energie, aber auch reinste Bewusstheit.

Philosophie

Die Anschauung des Reiki basiert auf einem metaphysischen bzw. energetischen Weltbild, das durch neuzeitliche, naturwissenschaftliche Erkenntnisse untermauert zu werden scheint.

Demnach ist der uns umgebende Raum, d.h. das ganze Universum, erfüllt von einer endlosen unerschöpflichen Energie. Diese universelle, schöpferische Kraft und Energiequelle erhält alles Leben und die Ordnung im Universum.

Die Vorstellung einer solchen „Energie des Lebens“ findet sich in vielen Kulturen und Bereichen in unterschiedlicher Bezeichnung; wie z.B. als Prana im indischen Yoga, als Qi/Chi im chinesischen Taoismus, als Licht in der christlichen Mystik, um nur einige der vielfältigen Bezeichnungen zu nennen, wobei hinsichtlich der Deutung allerdings auch unterschiedliche Interpretationen existieren.

Bezüglich des Reiki soll die Interpretation des asiatischen Chi/Ki in den Fokus genommen werden, synonym für eine Kraft, die alles Sichtbare hervorbringt, beseelt und belebt.

In der östlichen Hemisphäre ist die Vorstellung von „Ki“ auch in den Wissenschaften stark verankert. Die asiatische Medizin, insbesondere die in europäischen Breiten mittlerweile bekannte „Traditionelle Chinesische Medizin“, arbeitet damit.

So ist z. B. die Akupunktur darauf ausgerichtet, den Fluss einer für uns unsichtbaren Energie durch gezielte Nadelstiche in Energiebahnen bzw. deren Knotenpunkte zu aktivieren und auszubalancieren (zu harmonisieren). Dasselbe passiert in der Akupressur, allerdings durch Druck auf das Gewebe sowie im japanischen Heilströmen durch lediglich einfachen Hautkontakt. In Verfahren, wie dem Reiki, erfolgt schließlich die Aktivierung und Balance des Ki über die immaterielle (nichtkörperliche) Ebene, was zugegebener Maßen jedoch für „Nichteingeweihte“/Laien das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit auf Grund der Abstraktion gegenüber den vorher genannten Methoden erheblich erschwert. Wollte man unter den Methoden eine Skala hinsichtlich der Intensität physischer Einwirkungen auf den Körper aufstellen, sähe diese folgendermaßen aus:

        • Aku-Punktur (Einstiche in die Haut)
        • Aku-Pressur (Druck auf das Gewebe)
        • Heilströmen (Hautkontakt)
        • Reiki (Kontakt möglich, aber nicht zwingend)

Im Westen ist die Vorstellung, dass auch Materie letztlich aus Energie besteht, noch relativ neu und erst durch die Anfang des 20. Jahrhunderts aufgekommene Quantenphysik postuliert.

Nach Auffassung des Reiki steht jeder Mensch über einen Kanal mit der universellen Lebensenergie von Geburt an in Verbindung. Allerdings geht, nach der Reiki-Lehre, bei den meisten Menschen die Fähigkeit, Reiki aufzunehmen, bereits in der Kindheit durch Sozialisations- und Lebensumstände wieder verloren, d.h. der Kanal wird blockiert.

Durch Initiationen oder Einweihungen wird dieser Kanal wieder geöffnet und die Energie fließt über den Scheitelpunkt des Kopfes und des Herzbereichs in und durch die Hände.

Nach dem Energieerhaltungssatz besteht im gesamten Universum das Gesetz, dass Energie weder verloren noch erzeugt wird. Es finden lediglich Transformationen statt. Durch diese Transformationen existieren unterschiedlich charakteristische Energievarianten, die dadurch in ihren verfügbaren Mengen variabel sind.

Bei der „Energie des Lebens“, dieser „universellen Energie“, diesem „Rei-Ki“, handelt es sich nach spiritueller Vorstellung um eine nichtpolare und nichttransformierbare Energie. Diese Energie teilt bzw. polarisiert daher nicht, sondern harmonisiert. Katalytisch vergleichbar mit den chemischen Edelgasen. Dadurch ist diese „universelle Energie“ unerschöpflich und braucht sich durch Transformationen nicht auf.

Aufgrund der harmonisierenden Eigenschaft wird sie deshalb als „Heilungsenergie“ angesehen. Durch sie werden energetische Gleichgewichte bzw. harmonische Ordnungen eingeleitet bzw. wieder hergestellt.

Systembeschreibung

Wie bereits erläutert, ist Reiki eine aus Japan stammende Methode der Energieübertragung durch Handauflegen, um die Aktivierung von Körper, Geist und Seele sowie eine Harmonisierung feinstofflicher Bereiche zu ermöglichen und insofern eine Methode der Energiespende zur Erhöhung der Lebensenergie.

Reiki ist daher eine Form der Energiearbeit, der Energieübertragung und ein ganzheitliches System, das es ermöglicht, „universelle Energie“ in intensiver Form zu empfangen und weiterzugeben. Es ist ohne Vorkenntnisse erlernbar und respektiert den freien Willen des Empfangenden.

Es unterstützt Selbstheilungsprozesse und kann ein hilfreiches Werkzeug für die persönliche Entwicklung sein.

Mit den „Einweihungen“ ist es dauerhaft wirksam und präsent. Die Intensität des Energieflusses frischt sich auch nach langer Pause durch erneute Praxis selbstständig wieder auf.

Als ganzheitliches System, das Körper, Geist und Seele berücksichtigt, lässt es sich mit anderen Anwendungsmethoden gut kombinieren.

Reiki ist frei, offen und mit keiner speziellen religiösen Überzeugung verbunden. Es ist daher in die jeweilige persönliche, weltanschauliche oder religiöse Überzeugung integrierbar. (Dazu sei auch das Buch „Jesus und Buddha – Ein Dialog der Liebe“ des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh erschienen im Herder-Verlag empfohlen.)

Um mit Reiki zu beginnen, werden keine individuellen Talente oder entwickelten Fähigkeiten bzw. ein besonderes intellektuelles Fassungsvermögen vorausgesetzt. Darüber hinaus sind weder meditative Vorkenntnisse noch dauerhafte Praxis in anderen religiösen oder spirituellen Disziplinen erforderlich.

Die Grundlagen sind zunächst relativ einfach zu erlernen und werden persönlich von Lehrern an Schüler vermittelt. Sind diese Grundlagen einmal vermittelt worden, kann sofort begonnen werden, Reiki zu praktizieren. Aus eben diesem Grunde ist es für jeden geistig gesunden Mensch einfach, mit Reiki anzufangen.

Methodik

Im Usui-System erfolgt die Reiki-Ausbildung in drei Stufen oder Graden, in denen jeweils unterschiedliche Inhalte vermittelt werden. Die Inhalte bauen aufeinander auf, auch wenn jeder Grad für sich vollständig ist.

  • 1. Grad
    1. Er gilt als Einstieg ins Reiki. Der Kanal, der den Menschen von Geburt an mit der universellen Lebensenergie verbindet wird durch Einweihungen für den Reikifluss wieder durchlässig gemacht, dass die Reiki-Energie wieder strömen und damit, zumeist über die Handflächen, weitergegeben werden kann. Der Bewusstseinsschwerpunkt in dieser Phase liegt auf dem materiellen, dem körperlichen Bereich.

  • 2. Grad
    1. Auf dieser Stufe wird die Möglichkeit, Reiki einzusetzen, durch weitere Einweihungen verstärkt. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit Symbolen und Mantras. Der Bewusstseinsschwerpunkt im zweiten Grad liegt auf dem mentalen Bereich.

  • 3. Grad
    • Im klassischen System nach Usui gilt er als Abschluss der Reiki-Ausbildung und wird als Meistergrad bezeichnet. Durch eine weitere Initiation in ein Symbol eröffnet sich der Weg, zur spirituellen Arbeit an sich selbst. Der Bewusstseinsschwerpunkt im dritten Grad liegt auf dem spirituellen, kausalen Bereich.

Was Reiki nicht ist

  • Reiki ist kein Wundermittel!
  • Mit Reiki wachsen auch keine dritten Zähne!
  • Reiki ist keine esoterische „Gurkentee/Raucherstäbchen“-Romatik!
  • Es werden keine Diagnosen, Therapien, Behandlungen im medizinischen Sinne durchgeführt oder sonstige Heilkunde im gesetzlichen Sinne ausgeübt!
  • Reiki ersetzt weder eine ärztliche Behandlung oder Konsultation, es kann diese sinnvoll ergänzen bzw. unterstützen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren!

Ergänzung

Die folgenden Lebensregeln wurden von Mikao Usui als Teil der Reiki-Ausbildung weitergegeben und dienen als Anleitung für den Alltag, um bewusst zu machen, dass ein aktives, positives Handeln für eine dauerhafte Wegarbeit wichtig ist.

        • Gerade heute sei nicht ärgerlich
        • Gerade heute sorge dich nicht
        • Sei freundlich zu allen Wesen
        • Verdiene Dein Brot ehrlich
        • Sei dankbar für die vielen Segnungen